Schiffbau und Offshore-Technik

01 January 2017

Singapur: Weltmarktführer bei Schiffs- und Offshore-Technik

Egal ob in der Nordsee, im Golf von Mexiko oder im Nahen Osten – die Wahrscheinlichkeit, dass eine Offshore-Öl- oder Gasbohrhubinsel von einem Unternehmen mit Sitz in Singapur konstruiert oder hergestellt wurde, ist hoch. Singapur ist der Top-Player für Öl- und Gasbohraggregate sowie Offshore-Versorgungsschiffe weltweit. Seit ihren bescheidenen Anfängen als regionale Schiffsreparaturzentren haben sich die singapurischen Mischkonzerne Keppel und Sembcorp zu weltweit anerkannten Größen in diesem Industriezweig entwickelt.

Heute ist Singapur der größte Hersteller von Hubinseln und bestimmt über 70 Prozent des Weltmarkts – ebenso im Bereich des Umbaus von schwimmenden Produktions- und Lagereinheiten.

Die Zukunftsaussichten der Offshore-Branche sind aufgrund des weltweit steigenden Energiebedarfs weiterhin hervorragend. Insbesondere Wachstumsmärkte wie China und Indien als Hauptenergieverbraucher sind Schätzungen zufolge für mehr als die Hälfte des weltweit wachsenden Energiebedarfs von 2010 bis 2040 verantwortlich.

Um der zukünftigen Energienachfrage zu begegnen, wird die Offshore-Tiefsee- sowie die nichtkonventionelle Öl- und Gasexploration und -produktion zunehmen – auch als Antwort auf die abnehmenden konventionellen Onshore-Öl- und -Gasressourcen. Es braucht ausgeklügelte Produkte und Technologien, um diese neuen Möglichkeiten der Öl- und Gasexploration einzusetzen. So müssen zum Beispiel Bohrgeräte für den Einsatz unter den rauen Bedingungen der Nordsee entsprechend ausgelegt werden und strenge Vorgaben erfüllen. Diese Trends bieten interessante Möglichkeiten für den Schiffs- und Offshore-Sektor in Singapur.


Gebündeltes schiffstechnisches Fachwissen

Die Schiffs- und Offshore-Industrie befindet sich aufgrund hoher Öl- und Gaspreise sowie einer alternden Hochseeflotte auf einem Höhenflug. Singapur ist ein großer Nutznießer dieses Booms, da es sich einen guten Namen für gleichbleibend hohe Qualität und pünktliche Lieferung erarbeitet hat. Hier hat sich gebündeltes Fachwissen bei den Anbietern von Hochseedienstleistungen – wie etwa Klassifikationsdiensten, Seerechts- und Versicherungsdiensten sowie Offshore-Zulieferern – entwickelt. Zudem fährt die Industrie dank der robusten und dynamischen Lieferkette sowie der Feinmechanik-Infrastruktur des Landes bedeutende Gewinne ein. 2011 stieg die Gesamtleistung der Schiffbau- und Offshore-Industrie auf 7,5 Milliarden Euro.


Marktführerschaft in einem Meer von Möglichkeiten

Mit dem Ziel, die singapurische Schiffbau- und Offshore-Industrie noch mehr zu stärken, setzt der Stadtstaat auf seine Fähigkeiten im Bereich Produktion und Technik, um Wissens- und Innovationskompetenzen weiterzuentwickeln. Singapur investiert weiterhin in F&E, um den Herausforderungen an die Offshore-Öl- und -Gasexploration sowie die entsprechende Produktion erfolgreich zu begegnen.

So hat beispielsweise das EDB zusammen mit der Maritime and Port Authority of Singapore und der Agency for Science, Technology and Research (A*STAR) das „Singapore Maritime Institute“ aufgebaut, um die F&E in diesem Bereich in verschiedenen Zentren und Hochschulen bereichsübergreifend zu koordinieren und die Zusammenarbeit mit der Industrie zu fördern. Schwerpunktbereiche bilden der Schiffbau, die Schiffstechnik sowie Offshore- und Unterwassersysteme.


Forschungskooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie

Technologie ist ein Hauptmotor für den Schiffbau. Um in dieser Branche an der Spitze zu bleiben, fördert Singapur aktiv die F&E-Zusammenarbeit zwischen seinen Bildungseinrichtungen und der Privatwirtschaft. Zu den wichtigsten Initiativen zählen das „Centre for Offshore Research & Engineering“ und das „Centre of Innovation – Marine & Offshore Technology“. Zudem arbeitet neben dem „Marine Centre of Innovation @ Singapore Polytechnic“ das „Maritime Research Centre @ NTU“ eng mit lokalen Größen wie Keppel, Sembcorp und ST Marine zusammen, um neue Potenziale zu entwickeln.
 

Fachspezifische Ausbildung für motivierte Mitarbeiter

Gut ausgebildetes Personal ist ein wichtiger Wachstumsfaktor im techniklastigen Schiffbau. Dank seiner Schiffbau-Industrie, die bis ins Jahr 1963 zurückreicht, hat Singapur einen großen Pool von qualifizierten und erfahrenen Schiffbauern aufgebaut. Zwischenzeitlich haben die Hochschulen ihre Anstrengungen verstärkt, um Personal für diesen Industriezweig zu entwickeln. Die National University von Singapur und die Nanyang Technological University bieten Fachausbildungen im Abschlussjahr sowie Master-Kurse im Bereich Marine & Offshore Engineering an. Das EDB arbeitet ebenfalls mit den Universitäten zusammen, um Unterwassertechnik (Subsea Engineering) und Schiffbau (Naval Architecture) sowie Hochseetechnik (Marine Engineering) im Aufbaustudium anzubieten. Zusätzlich kooperieren die Ngee Ann Polytechnic und die Singapore Polytechnic mit der University of Newcastle upon Tyne, um einen eigenständigen Bachelor-Studiengang in Schiffbau (Naval Architecture) und Schiffs-/Meerestechnik (Marine/Ocean Engineering) einzurichten.


Hervorragende logistische Infrastruktur

Singapurs guter Ruf in Sachen Zuverlässigkeit und schneller Lieferung ist erst durch seine Logistik-Infrastruktur von Weltformat sowie einem qualitativ hochwertigem Reederei-Wesen möglich geworden. Die Seehäfen und Luftfrachtanlagen, zukunftsweisende Lagerwirtschaft und Lieferkanäle, die zur Weltspitze zählen, sowie die einzigartige regionale und weltweite Anbindung schaffen eine optimale Basis für globales Beschaffungswesen und komplexe Fertigung. Ein leistungsfähiges Lieferketten-Management ist besonders für den Bau von Ölplattformen wichtig, bei dem die Ausrüstung aus verschiedenen Teilen der Erde, einschließlich Japan, USA und Europa, kommen kann.


Zahlen & Fakten zur Schiffbau- und Offshore-Industrie

  • Singapur hält einen Anteil von 70 Prozent des Weltmarkts für Hubinseln sowie für den Umbau von schwimmenden Produktions- und Lagereinheiten.
  • 2011 war die Gesamtproduktion von Singapurs Schiffbau- und Offshore-Industrie auf 7,5 Milliarden Euro angewachsen, die Wertschöpfung lag bei etwa 2,6 Milliarden Euro.
  • Fast 75.000 Arbeiter waren 2011 in der Schiffbau- und Offshore-Industrie beschäftigt.