ASEAN – eine Region mit besten Aussichten

01 January 2017

SÜDOSTASIEN | Die Staaten jenseits von China und Indien werden zunehmend als nächster Wachstumsmarkt betrachtet und bieten umfassende Geschäftsmöglichkeiten.


Asien, Heimat von 60 Prozent der Weltbevölkerung und einer kontinuierlich wachsenden Mittelschicht, etabliert sich als weltweit wichtigste Wirtschaftsmacht. Viele Unternehmen folgen dem Wachstumstrend bereits seit Längerem. Sie konzentrieren sich dabei auf die beiden größten Wirtschaftsmächte des Kontinents: China und Indien. Diese gehören in den Augen deutscher Unternehmer zu den wichtigsten Märkten. In einigen Industriezweigen, wie beispielsweise der Automobilindustrie, haben China und Indien bereits heute eine internationale Führungsposition inne.

Mit diesem Fokus entgeht Unternehmern jedoch eine andere Wachstumsregion: Südostasien. Mit zunehmenden Investitionen hat sich die Region zu einem attraktiven Standort etwa für Chemie-, Elektrotechnik-, Maschinenbauoder Medizintechnikunternehmen entwickelt. Einige deutsche Mittelständler haben das erkannt und erfolgreich investiert. Experten sehen die Region wegen der vor allem im Vergleich zu China wettbewerbsfähigen Löhne und positiven demographischen Entwicklung als vielversprechend an. 2020 werden dort mehr als 650 Millionen Menschen leben, die Hälfte davon jünger als 30 Jahre.


Wirtschaftliches Potenzial

Vor allem aber ist Südostasien aufgrund der engen Verbindungen zwischen den Staaten ein guter Standort für Unternehmen. 1967 gründeten Singapur, Thailand, Indonesien, Malaysia und die Philippinen den Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Heute gehören auch Brunei, Kambodscha, Vietnam, Laos und Myanmar dem Bündnis an, das mit einem Anteil von über sechs Prozent am Welthandel ein großes ökonomisches Potenzial aufweist.

Die ASEAN Economic Community 2015 hat sich den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Investitionen zum Ziel gesetzt, um einen neuen Binnenmarkt zu schaffen. Dazu haben die ASEAN-Staaten ein Freihandelsabkommen abgeschlossen, das 95 Prozent der Zölle innerhalb der Region bis 2015 beseitigt. Bereits umgesetzt wurde dies etwa von Singapur, Thailand, Malaysia, Indonesien und den Philippinen.


Vorteilhafte Freihandelszonen

Mit dem Inkrafttreten der Freihandelszone wird es auch für deutsche Unternehmen lohnender, in der Region zu produzieren: Komponenten können zollfrei innerhalb ASEANs im- und exportiert sowie dank der Freihandelsabkommen mit China und Indien auch dorthin ohne Abgaben ausgeführt werden. Dazu kommt die Nähe zum Absatzmarkt ASEAN mit seiner wachsenden, konsumfreudigen Mittelschicht.

Ein bereits seit Jahren bewährter Standort im Herzen der Region ist der Stadtstaat Singapur. „Für deutsche Unternehmen könnte es ein gutes Modell sein, ihren asiatischen Hauptsitz in Singapur zu gründen und an anderen, kostengünstigeren Standorten zu fertigen“, sagt Prof. Dr. Bernd Venohr, Mitgründer des Instituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht. Für die Praxis bestätigt das Josef Parzhuber, Asien-Chef von Mann + Hummel. 2012 verlegte der Hersteller der weltbekannten Mann-Filter den Asien-Sitz von Schanghai in den Stadtstaat. „Es war eine bewusste strategische Entscheidung“, so Parzhuber, „denn wir wollten in der ASEAN-Region den Erfolg wiederholen, den wir in unserem Kernmarkt China hatten. Der Ausbildungsstand der singapurischen Mitarbeiter, die exzellente Logistikanbindung, die Rechtssicherheit und natürlich die Handelsabkommen, die zwischen den ASEAN-Ländern und unseren wichtigen Märkten China und Korea bestehen, waren die wichtigsten Gründe für die Wahl des Stadtstaates als regionales Hauptquartier.“


Das Resultat einer Vision

SINGAPUR | Effektive Infrastruktur, einfache Firmengründung, ähnliche Mentalität: Hanna Böhme, Geschäftsführerin des German Centre Singapore, sieht den Stadtstaat als ideales Sprungbrett.

Wirtschaftsfreundlichkeit ist in Singapur ein Grundprinzip. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Regierung sehr viel getan, um das Klima für Unternehmen aus anderen Ländern zu verbessern. So erhält man etwa ein Arbeitsvisum binnen weniger Tage, und auch eine Firmengründung ist hier relativ unkompliziert und schnell erledigt.

Ein weiterer Pluspunkt für deutsche Mittelständler: die ähnliche Mentalität. Sowohl Singapurer als auch Deutsche überlegen alles gut und preschen nicht einfach gedankenlos vorweg. Sie sind langfristige Planer. So haben die Singapurer etwa aus ihrer Insel ohne Rohstoffe eines der weltweit wichtigsten Zentren der petrochemischen Industrie gemacht – das imponiert den Deutschen.


Standort mit Zukunft

Das wirtschaftsfreundliche Singapur liegt im Herzen von ASEAN.

Asien hat sich in den vergangenen Jahren zum neuen Zentrum der Weltwirtschaft entwickelt. Die ASEAN-Region bietet das größte Potenzial: Bei den ausländischen Direktinvestitionen haben die fünf größten Staaten des Verbundes mittlerweile China überholt – und nach neuesten Prognosen sollen im Jahr 2030 rund 80 Prozent der weltweiten Konsumausgaben der Mittelschicht in der Region getätigt werden. Neben China und Indien etabliert sich ASEAN als kommender Wachstumsmarkt. Der Standort der Wahl für hochwertige Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb und Management ist Singapur im Herzen der Region. Mit der zunehmenden Anbindung ASEANs an globale Märkte durch die Freihandelsabkommen mit China, Indien, Japan und Südkorea wird der Stadtstaat zur Drehscheibe für das Asiengeschäft.

Hier finden deutsche Mittelständler ein wirtschaftsfreundliches Umfeld, eine gute weltweite logistische Vernetzung sowie eine internationale Atmosphäre: Bereits heute haben über 1400 deutsche Unternehmen eine Dependance in Singapur und befinden sich damit am Puls der aufstrebenden Märkte.